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Besuch auf der Halde Wehofen: Die geothermische Nutzung von Haldenschwelbränden ist möglich

Haldenschwelbrände sind ein lange bekanntes Problem. Abraum aus der Kohleförderung, der auf den im Ruhrgebiet so typischen Halden abgelagert wird, enthält immer einen Restanteil Kohle. In früheren Zeiten konnte diese Kohleanteil bei bis zu 30% liegen, so dass ältere Halden immer einen hohen Anteil brennbares Material enthalten. Physikalisch-chemische Vorgänge im Inneren der Halde können eine Selbstentzündung der alten Halden bewirken, die dann teilweise jahrzehntelange Schwelbrände zur Folge haben. Mehr zum Problem der Haldenschwelbrände findet sich hier.

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Die stillgelegte Halde Wehofen-West, auf der Grenze zwischen Dinslaken und Duisburg gelegen und von ThyssenKrupp Steel (TKS) betrieben, ist eine dieser Halden im Ruhrgebiet. Während TKS als heutiger Betreiber der Halde dort Schlacken aus seinem Produktionsstandort im Duisburger Norden abgekippt hat, wurde zuvor auf dieser seit 1935 betriebenen Halde Berge, also so genanntes taubes Material aus dem Steinkohlebergbau, abgelagert. Seit dem Jahr 1943 ist in der Halde Wehofen ein Haldenschwelbrand dokumentiert – seit fast 70 Jahren.

Um die spannende Frage zu klären, ob man solche Haldenschwelbrände einer geothermischen Nutzung zuführen kann, hat eine Geotechnik-Forschergruppe der RWTH Aachen seine Arbeit auf der Halde aufgenommen. In Zusammenarbeit mit dem Haldenbetreiber TKS, den Geothermie-Experten aix-o-therm, der Deutschen Montan Technologie DMT, dem Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik und dem RWTH-Fachbereich der Energierohstofftechnologie wurden in die Halde Erdwärme- und Messsonden eingebracht. Über die Erdwärmesonden, so eines der Ziele des Projekts, sollen dem Haldenkörper exakt dokumentierte Wärmemengen entnommen werden. Von diesen Arbeiten und dem Ergebnis der Forschungen durfte ich mir bei meinem Besuch auf der Halde einen Eindruck verschaffen.


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Und das Ergebnis dieser Arbeiten ist ermutigend, denn es hat sich auf dieser Versuchsanlage gezeigt, dass Haldenbrände über einen längeren Zeitraum (bislang etwa ein Jahr) verlässlich größere Energiemengen zur Verfügung stellen können, die sich dann einer thermischen Nutzung zuführen lassen. Gut 9 kW betrug die durchschnittliche Leistung der vergleichsweise kleinen Versuchsanlage mit ihren drei Erdwärmesonden und lag damit schon in einem Bereich, der eine Nutzung etwa zur Beheizung des Betriebsgebäudes auf dem Haldengelände lohnenswert erscheinen lässt. Ich würde mich sehr freuen, wenn diese Grundlagenarbeit der Aachener Forscher zu einer zukünftigen thermischen Nutzung von Haldenschwelbränden führen würde.

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