Bürger und Bäume gegen Ortsumgehung

Seit dem letzten Herbst darf es als sicher gelten: Die Ortsumgehung Gütersloh-Friedrichsdorf, die L788n, wird nicht gebaut werden. Im September des vergangenen Jahres hat das Verkehrsministerium NRW die so genannte “Priorisierungsliste 2011 des Landesstraßenbedarfsplans” vorgelegt. Seitdem hat die Ortsumgehung Friedrichsdorf den Status “nachrangig planen”, was bedeutet, dass keine weiteren Planungsschritte unternommen werden und ein Bau der Umgehungsstraße in absehbaren Zeiträumen nicht vorgesehen ist.

Auch wir Gütersloher GRÜNE haben uns seinerzeit und nach gründlicher Abwägung gegen die Ortsumgehung Friedrichsdorf ausgesprochen. Gleichwohl ist in dieser Angelegenheit bis heute in Friedrichsdorf keine Ruhe eingekehrt. Noch im März gab es eine Kundgebung in Friedrichsdorf, angeführt von einem Bündnis aus der Gütersloher CDU um Landrat Sven-Georg Adenauer und MdL Ursula Doppmeier an der Spitze gemeinsam mit SPD-Bürgermeisterin Unger, die erneut die unrealistische und zum Glück abgewendete Forderung nach dem Bau der Umgehungsstraße vortrugen.

Da lag es nahe, dass auch wir Grüne gemeinsam mit der Initiative “Bürger gegen Ortsumgehung Friedrichsdorf” ein Zeichen setzen. Wir trafen uns bei herrlichem Wetter am Feldrand an der Birkheide in Friedrichsdorf und pflanzten mitten auf der ehemaligen Planungstrasse der Ortsumgehung am Rand eines Ackers, der bei Umsetzung der Ortsumgehungsstraßenpläne von der Straße zerschnitten worden wäre, einen Apfelbaum der alten einheimischen Sorte “Schöner Wiedenbrücker”.

Das war bei schwüler Wärme schweißtreibend, hat aber auch eine Menge Spaß gemacht. Großen Respekt für die Bürgerinitiative, die unsere gemeinsame Aktion perfekt vorbereitet hatte und nicht nur mit etwa 150 Personen vertreten war, sondern auch Kaffee, Kuchen und Sprudelwasser bereit hielt. Benjamin Merten, Landschaftsgärtnermeister aus Steinhagen, hatte einen sehr schönen Baum besorgt und und stellte die technische Ausrüstung, die wir brauchten, um den Baum zu pflanzen und vor möglichem Wildverbiss zu schützen.

Ich durfte kurz den Hintergrund der neuen Linie der Verkehrsplanung der Landesregierung erläutern, die ganz eindeutig den Schwerpunkt fort vom Neubau und hin zum Erhalt des Straßennetzes gelegt hat – in Zeiten knapper Haushalte die einzige Option – ehe ich kritisch, aber wohlwollend beäugt mit einem riesigen Hammer die Pflöcke zur Stützung unseres Jungbaums einschlagen musste.

In etwa zwei einhalb Jahren, so haben wir gemeinsam beschlossen, werden wir uns an dieser Stelle erneut treffen und gemeinsam die ersten Äpfel unseres Baumes verkosten - worauf ich mich schon jetzt sehr freue.

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9 Kommentare

  1. C. Tölke

    Sie, Frau Brems, und Ihre Partei sind bekanntlichen die einzige politische Kraft, die sich weiterhin den verkehrsplanerischen Notwendigkeiten sperrt und die Ortsumgehung Friedrichsdorf verhindern will. Natürlich sind Sie sich darüber im Klaren, dass Sie damit den Friedrichsdorfer Bürgern immensen Schaden zufügen. Bei täglich 22.000 Kfz und zukünftig zusätzlichen 5.000 Kfz zwischen der Abfahrt Buschkampstrasse und Gütersloh setzt in Friedrichsdorf bereits heute ein durch extreme Lärm- und Abgasemmissionen verursachter Verödungsprozess ein. Bei einer Fahrbahnbreite von nur 5 Metern gibt es keinen Radweg im Ort, dafür aber zwei Schulen und drei Kindertagesstätten. Die Entlastungsprognose der Ortsumgehung liegt bei 75% und produziert damit, wie Sie sicher wissen, ein im Vergleich sensationell hohes Nutzen-Kosten-Verhältnis (NKV).
    Wir Friedrichsdorfer Bürger sind extrem enttäuscht und entsetzt darüber, wie ausgerechnet die Grünen, die sich ja eigentlich immer genau gegen solche Belastungen eingesetzt haben, sich nun derartig gegen uns Menschen in Friedrichsdorf wenden.
    Daher folgende Frage: Wie können Sie es verantworten, dieses mit einem absoluten Spitzen-NKV gesegnete Projekt zu verhindern und die Menschen in Friedrichsdorf mit dieser ökologischen und menschlichen Tragödie vor ihren Haustüren derartig alleinzulassen?

    Antworten
    • Wibke

      Sehr geehrte Frau Tölke,

      Ihre hier gestellte Frage zielt in die gleiche Richtung wie Ihre auf Abgeordnetenwatch gestellte Frage, darum veröffentliche ich hier mein dort veröffentlichte Antwort:

      Meine Aussage, dass die Ortsumgehung in Friedrichsdorf nicht gebaut wird, begründet sich auf der Tatsache, dass die so genannte „Priorisierungsliste 2011“ des Landesstraßenbedarfsplans die Prioritätsstufe „nachrangig planen“ vorsieht, was de facto bedeutet, dass keine weiteren Planungsschritte unternommen werden und ein Bau somit auf absehbarer Zeit nicht vorgesehen ist.

      Rot-Grün im Land hat Inventur gemacht. Bei insgesamt 35% der Landesstraßenprojekte macht es keinen Sinn, die Planungen fortzuführen. Diese werden nun zurückgestellt.
      Die überzähligen Planungsbeauftragungen und ersten Spatenstiche der Regierung Rüttgers in Wahlkampfzeiten waren in hohem Maße unehrlich. Das Geld für die Umsetzung dieser vielen Projekte war und ist nicht vorhanden. Alleine die jetzt priorisierten Straßen binden die zur Verfügung stehenden Finanzmittel mindestens für die nächsten 10 Jahre. Darüber hinaus haben die offensichtlich an vielen Stellen sinnlos begonnen Planungen in den Kassen des landeseigenen Betriebs Straßen.NRW ein Defizit von 51 Mio. Euro verursacht. Nun findet eine Konzentration auf die realistischen Projekte statt, dies ist sicher auch im Sinne der Steuerzahlenden.

      Die Pflege der Straßensubstanz wurde in den letzten Jahren deutlich vernachlässigt, dabei ist genau dieser Erhalt die günstigste Variante, sichere und schnelle Mobilität auf der Straße sicherzustellen. In diesem Sinne werden wir sukzessive freiwerdende Haushaltsmittel umschichten. Ein Schritt, den Expertinnen und Experten mehrfach als sinnvoll und wichtig empfehlen.

      Wenn andere Politiker behaupten, Sie könnten dafür sorgen, dass die Ortsumgehung Friedrichsdorf in absehbarer Zeit weiter geplant oder gar gebaut wird, ist das einfach nur unehrlich. Denn auch andersfarbige Landesregierungen werden nicht mehr Geld im Haushalt zur Verfügung haben. Viele der seinerzeit in Aussicht gestellten Umgehungsstraßen hatten in Wirklichkeit zu keinem Zeitpunkt eine echte Chance auf eine Realisierung, waren im Grunde nichts anderes als bloße Absichtserklärungen, Placebos. Die alte Landesregierung dürfte sich dessen bewusst gewesen sein und wir dürfen davon ausgehen, dass man vielfach die Karte „Wir planen eine Umgehungsstraße“ gezogen hat, um beispielsweise in Wahlkampfzeiten Stimmung zu machen. Ich finde dies sehr unehrlich und unfair gegenüber den Anwohnern, deren (unrealistische) Hoffnungen wir mit der Priorisierungsliste 2011 gewissermaßen ersticken mussten.

      Die Entscheidung gegen den Bau der Umgehungsstraße fiel im Verkehrsministerium und diese Entscheidung fiel – wie alle Entscheidungen für oder gegen die Weiterverfolgung der in der Priorisierungsliste behandelten Straßenbauprojekte – unter Berücksichtigung sehr vieler Umstände, nach Prüfung aller Gegebenheiten und vor dem erdrückenden Hintergrund einer mehr als angespannten Haushaltslage. Bereits die jetzt priorisierten Straßen binden die Haushaltsmittel für den Straßenbau auf einen Zeitraum von 10 Jahren.
      Vor diesem Hintergrund hat die Landesregierung einen Schnitt gemacht und den Fokus auf tatsächlich in überblickbaren Zeiträumen realisierbare Straßenbauprojekte gelegt. Dies ist zwar in vielen Fällen für verkehrsgeplagte Anwohner enttäuschend, aber doch auch sehr viel ehrlicher und es schafft klare Verhältnisse – so oder so.

      Die jetzige Verkehrssituation der Anwohner in Friedrichsdorf ist den GRÜNEN und mir weder egal, noch sind wir untätig.

      Nach einem langen Entscheidungsprozess haben wir GRÜNE in Gütersloh uns gegen die Ortsumgehung entschieden, was uns nicht leichtfiel, da wir um die Situation der verkehrsgeplagten Anwohner wissen. Was den Ausschlag für unsere Haltung gab:
      • Uneindeutige Verkehrsprognosen (schwierige Differenzierung beim Quell- und Zielverkehr) • Die Verkehrsprognosen lassen die Verteilung an angeschlossenen Knotenpunkten (besonders Richtung Avenwedde Kreisverkehr, Avenwedder/Sürenheider Straße (L788/K36) außer Acht, ggf. schafft eine OU Friedrichsdorf an anderen Stellen massive Probleme • Fuß- und Radläufige Abscheidung des Ortsteils (in Richtung Windflöte) wäre unverhältnismäßig hoch (wie wir auch bei einem Ortstermin gesehen haben)

      Mit diesen Maßnahmen wollen wir GRÜNE jetzt reagieren:
      • Eine dauerhafte Reduzierung auf Tempo 30 auf der Brackweder Straße. Die momentan gültige Tempobeschränkung auf Tempo 30 geht übrigens auch auf uns Grüne zurück.
      • LKW-Durchfahrtsverbot für die Ortsdurchfahrt Friedrichsdorf. Dieses ist umzusetzen im Rahmen einer „Teileinziehung“ für die L 788 und L791 gemäß § 7 des Straßen- und Wegegesetztes NRW (StrWG).
      • Sofortiger Wegfall der Autobahn-Umleitungsfunktionen der Friedrichsdorfer Durchfahrtsstraßen für Ereignisse auf der Autobahn A 2 und zukünftig auf der A 33.
      • LKW-Durchfahrtsverbotsbeschilderung auf der neuen A 33 in Bezug auf Friedrichsdorf.

      Die bisherigen Verkehrsprognosen für den Friedrichsdorfer Bereich erscheinen mir nicht belastbar. Darum halten wir eine neue Verkehrszählung nach Öffnung der A33-Abfahrt Buschkampstraße für zwingend notwendig. Wir wollen die tatsächliche Verkehrsentwicklung abwarten, dann sehen, in welchem Umfang sich die Verkehrsbelastung ändert oder verlagert. Und das kann auch bedeuten, das können wir nicht ausschließen, dass man dann ggf. erneut und gründlich über das Thema nachdenken muss.

      Ich stehe dem Problem nicht gleichgültig und tatenlos gegenüber.

      Liebe Frau Tölke, die Umgehungsstraße in Friedrichsdorf wird nicht gebaut werden. Nicht unter einer rot-grünen Landesregierung und auch unter keiner anderen Landesregierung. Das ist eine Tatsache. Für Sie persönlich und für andere verkehrsgeplagte Anwohner ist dies sicher sehr bitter. Aber es wird dabei bleiben. Ich sehe es daher nicht als sinnvoll an, wenn wir weiterhin einer Umgehungsstraße nachtrauern, statt unseren Blick darauf zu richten, wie wir mit der zukünftigen Situation – nämlich weiterhin ohne Umgehungsstraße – im Interesse des Wohls der AnwohnerInnen umgehen wollen. Ich habe Ihnen aufgelistet, was wir GRÜNEN bislang für die Verkehrsentlastung Friedrichsdorfs getan bzw. angeregt haben. Wir würden uns freuen, wenn auch die betroffenen AnwohnerInnen sich bei der Suche nach Lösungen für das Problem des Durchgangsverkehrs in Friedrichsdorf beteiligen würden. Lösen wir uns endlich von der Idee einer Umgehungsstraße und sehen wir gemeinsam, was wir stattdessen erreichen können.

      Mit freundlichen Grüßen

      Antworten
      • Rudolf Schöngarth

        Sehr geehrte Frau Brems,
        ich möchte Sie bitten bei der Wahrheit zu bleiben. Der Antrag auf Tempo 30 ist nicht von den Grünen, sondern ein Bürgerantrag mit vielen Fakten über die Situation vor Ort. Der Antrag kam von den Anwohnern der Brackweder Straße. Die Grünen haben im Planungsausschuss wie alle Pateien mit zugestimmt - nicht mehr und nicht weniger!!
        Mit freundlichem Gruß

        Antworten
        • Wibke

          Sehr geehrter Herr Schöngarth,
          Sie haben absolut Recht. Mir tut dieses Versehen leid, ich hatte das anders in Erinnerung.
          Mit freundlichen Grüßen
          Wibke Brems

          Antworten
          • Rudolf Schöngarth

            Sehr geehrte Frau Brems,
            wenn Sie nun noch auf dem Server: Abgeordnetenwatch.de eine Korrektur zu Tempo 30 veranlassen, ist die Sache für mich ok.
            Mit freundlichem Gruß
            R.Schöngarth

          • Wibke

            Sehr geehrter Herr Schöngarth,
            das habe ich soeben veranlasst. Ich hoffe, dass Abgeordnetenwatch dies auch schnell umsetzt.
            Mit freundlichen Grüßen
            Wibke Brems

  2. Casrsten Pohl

    Hallo Frau Brems.
    endlich wurde beendet was vor 30 Jahren begann ,der Kampf gegen ein unsinniges Projekt. Unsere Familie hat damls schon dagegen gekämpft mit Verkehrszählung ,Unterschriftenlisten und Bürgerversammlungen etc.
    Heute sind wir in alle Winde versteut Frankfurt, Stuttgart und München.
    Ich freue mich deshalb sehr darüber diese gute Nachricht wenn auch spät aber immerhin mit zu bekommen.
    Mit freundlichen Grüße auch an die Heimat
    Carsten Pohl

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  3. Heinz-Werner Miele

    Liebe Frau Brems,
    ich weiß nicht, ob nochmal ein Treff am "Schönen Wiedenbrücker" beabsichtigt ist.
    Leider hat er noch keine Blüten angesetzt und folglich noch keine Äpfel getragen. ich hoffe nicht, dass das ein schlechtes Omen im Hinblick auf die Ortsumgehung ist, die ja noch nicht ganz abgeschrieben ist.
    Am Standort des Baumes kann es eigentlich nicht liegen, da er auch im Hochsommer nicht den ganzen Tag über in der Sonne steht. Der Boden dort ist allerdings sandig und nährstoffarm. Die Vitalität des Baumes scheint in Ordnung, Wasser scheint er genug zu bekommen. Die Wurzeln des Baumes sind sicher erst in 5 Jahren so entwickelt, dass er Nährstoffe aus dem benachbarten Acker ziehen kann.
    Ich gehe oder fahre mit dem Fahrrad mindest einmal täglich an ihm vorbei.
    Vielleicht sollte ich regelmäßig mit ihm sprechen (kein Witz, das kann helfen), da sich ja keine weiteren Obstbäume, sondern nur Nadelbäume in der Nähe befinden.
    Wissen Sie noch, ob und ggf. wie er beim Einpflanzen gedüngt wurde?
    Ich war leider beim Pflanzakt aus beruflichen Gründen nicht zugegen.
    Am Besten wäre vielleicht, wenn man ihm verrotteten Mist vermischt mit Gartenkalk spendieren würde. Ich bin gern bereit, beides für eine Düngung im nächsten Frühjahr zu spendieren.
    Es würde mich freuen, wenn wir gemeinsam einen Apfel des Baumes im Jahre 2016 genießen könnten.
    Viele Grüße

    Antworten
  4. Heinz-Werner Miele

    Hallo Frau Brems,
    Ende voriger Woche hatte ich über den in der Umgehungstrasse gepflanzten Apfelbaum "Schöner Wiedenbrücker" bzw. "Schöner von Wiedenbrück" berichtet. Am vergangenen Wochenende habe ich doch tatsächlich 5 winzige, grüne Äpfelchen entdeckt, die sich möglicherweise noch zu brauchbaren und vor allem eßbaren Bio-Äpfeln entwickeln. Die Blüten des Baumes müssen sehr unscheinbar gewesen sein, sonst hätte ich sie sicher bemerkt. Insofern muss ich mich revidieren und werde den Baum im Auge behalten sowie ihm - wenn nötig - auch mal eine Gießkanne Wasser spendieren.
    Gedüngt werden sollte er erst im nächsten Frühjahr.
    Viele Grüße von der Birkheide in Friedrichsdorf!

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