Von Kirschen, Potentialen, Reserven, Ressourcen: Neue Daten zum Schiefergasaufkommen in Deutschland

Wer als Kind einen Kirschbaum in der Nähe hatte, kennt das: Das theoretische Potential dieses Kirschbaums für den unstillsamen Kirschenhunger scheint immens, erreicht hat man jedoch immer nur einen Bruchteil davon. Und meistens war man irgendwann zu müde, um immer weiter ins Geäste zu klettern, um auch die letzte Frucht zu ergattern. Vielleicht gibt es noch ein paar Kirschen zur Reserve, an die man noch mit einer Leiter herankommt, aber die allermeisten Früchte bleiben in den Wipfeln des Baumes unerreichbar.

So ungefähr kann man sich vielleicht die Daten vorstellen, die die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover heute zum Vorkommen von Schiefergas in Deutschland veröffentlicht hat. Von einem immensen Potential ist dort die Rede. Die theoretisch in Zukunft gewinnbare Menge, selbst unter Berücksichtigung der umstrittenen Fracking-Technologie, reduziert sich dann aber direkt auf der ersten Seite des Gutachtens um 90%, da man einen Großteil auch in Zukunft nicht wird erschließen können. Aber auch diese restliche Menge von 10% bezeichnet immer noch nur die Ressourcen und nicht die im ökonomischen Sinne entscheidenden Reserven, die als „nachgewiesene, zu heutigen Preisen und mit heutiger Technik wirtschaftlich gewinnbare Menge einer Rohstoff-Lagerstätte" definiert werden.

Die Reserven stellen daher nur eine Teilmenge der Ressourcen dar, welche nun von der BGR auf 1.300 Mrd. m³ geschätzt werden. Diese Zahl erscheint zwar gegenüber der derzeitigen konventionellen Förderung von Erdgas in Deutschland von 14,5 Mrd. m³ im Jahr 2009 hoch, angesichts einer Importquote von 86% des in Deutschland verbrauchten Erdgases relativiert sich diese Zahl jedoch wieder. Würden sich alle von der BGR ausgewiesenen Ressourcen als Reserven, also als technisch und wirtschaftlich gewinnbar, herausstellen (was extrem unwahrscheinlich ist), könnte sich also Deutschland grob überschlagen maximal 13 Jahre von den Schiefergasressourcen versorgen.

Bleibt also die Frage offen, ob sich da der Griff nach der letzten Kirsche in schwindelerregender Höhe wohl überhaupt lohnt, wenn doch direkt vor der Tür jede Menge andere Früchte zum Greifen nahe sind: Die unerschöpflichen Erneuerbaren Energien.

Die komplette Studie mit den Daten und Aussagen zur Umweltverträglichkeit des BGR ist hier zu finden.

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2 Kommentare

  1. Erich Müller

    Hallo Frau Brems,

    bin bei dem Thema Fracking ganz bei Ihnen. Die Fracking-Technologie wird das Grundwasser viel nachhaltiger verschmutzen, als die von Ihnen im Koalitionsvertrag NRW erneut verpflichtend festgeschriebene Dichtheitsprüfung für alle Hausanschlusskanäle. Das werden Sie niemandem mit gesundem Menschenverstand vermitteln können, dass der Kanal wegen möglicher Gefahr der Verschmutzung des Grundwassers teuer geprüft und saniert werden muss und gleich nebenan der Giftcocktail tonnenweise mit Hochdruck in den Boden gepresst wird.

    Mich interessiert, wie sie diese beiden Themen in Einklang bringen wollen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Erich Müller

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    • Wibke

      Sehr geehrter Herr Müller,

      wir GRÜNE wollen sowohl die Grundwasserverschmutzung durch undichte Hausanschlusskanäle verhindern, wie auch mögliche Gefahren für das Grundwasser und die weitere Umwelt durch die Fracking-Technologie abwenden. Hinsichtlich der Gefährlichkeit des Frackings läuft übrigens aktuell eine Studie des NRW-Landesumweltministeriums, die für uns den Maßstab für das weitere Vorgehen in dieser Angelegenheit sein wird. Und dieses Vorgehen finde ich konsequent und richtig – Schwierigkeiten, beide Themen in Einklang zu bringen, kann ich daher nicht erkennen.

      Freundliche GRÜNE Grüße
      Wibke Brems

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