Was wird da eigentlich gefeiert? Gedanken zur Inbetriebnahme der Braunkohlekraftwerksblöcke in Neurath

Gestern gingen in Neurath zwei neue Braunkohleblöcke mit einer installierten Kapazität von 2,2 GW in den kommerziellen Betrieb. Mit rund 400 Gästen aus Politik und Wirtschaft feierte RWE die Inbetriebnahme ihres nach eigenen Angaben "modernsten und effizientesten Kraftwerks am Standort Grevenbroich ganz in der Nähe der großen Tagebaue Garzweiler und Hambach". Dieses Kraftwerk solle ein Beitrag leisten zur Versorgungssicherheit und ein verläßlicher Partner der Erneuerbaren Energien sein, so ließ Bundesumweltminitser Altmaier im Gleichklang mit RWE Vorstandsvorsitzendem Peter Terium verlauten. Was also ist dran, an diesen Argumenten?

1. Effizienz: Mit der Nähe zu den Braunkohleabbaugebieten ist der Standort aus Betreibersicht ideal, für die Energieverbraucher jedoch nicht. Diese befinden sich nämlich zu weit weg, um die abfallende Wärme effizient nutzen zu können. Damit werden 57% der Energie der eingesetzten Braunkohle einfach in die Luft geblasen. RWE nennt die neuen Blöcke BoA 2+3, um deren Überlegenheit darzustellen, denn BoA steht für "Braunkohlekraftwerk mit optimierter Anlagentechnik". Wenn RWE von einem um 30% verbesserten Wirkungsgrad spricht, zeigt das jedoch nur, wie ineffizient die alten Blöcke waren. Von den 10 klimaschädlichsten Kraftwerken in Europa stehen drei immer noch in NRW und befinden sich in der Hand von RWE.

2.Klimaschutz: RWE hatte der Bevölkerung im Rheinischen Revier versprochen, bereits für die erste, im Jahr 2002 vom damaligen Bundeskanzler Schröder eingeweihte, BoA 1 in Niederaußem sechs alte, kleinere Blöcke abzuschalten. Das ist bis heute nicht geschehen. Die Kohleförderung und damit auch die Emissionen haben sich durch die Inbetriebnahme der beiden Blöcke in diesem Jahr wesentlich erhöht (+12,4%) wie der Bundesverband Braunkohle kürzlich meldete . Zudem ist der Bau und die Finanzierung von neuen Kraftwerksblöcken auf eine Laufzeit von 35 und mehr Jahren angelegt. Die Klimaziele der Bundesregierung und die Einhaltung des 2 Grad-Ziels verlangen jedoch einen Ausstieg aus der fossilen Stromerzeugung bereits vor Ablauf dieses Zeitraums. Mit dem Neubau von Kohlekraftwerken werden daher Investitionen in Technologien getätigt, die schon bald nicht mehr zeitgemäß sein könnten. Eins von beiden wird dann den Kürzeren ziehen müssen: Der Klimaschutz oder die Rentabilität der Investionen durch RWE.

3. Versorgungssicherheit und Erneuerbare Energien: Nach eigenen Angaben können beide Blöcke gemeinsam rund 1 GW  ihrer Kapazität flexibel einsetzen. Von 2,2 GW Gesamtleistung ist das ein Flexibilitätsanteil von noch nicht einmal 50%. Gaskraftwerke dagegen können komplett runtergefahren werden und somit eine Versorgung mit einem hohen Anteil Erneuerbaren sicher gewährleisten ohne eine Überlastung der Netze zu riskieren.

4. Beitrag zur Preisstabilität: Mit Kraftwerksstandorten gleich nebenan in Frimmersdorf, in Niederaußem und anderen ist dieser Neubau für die umliegenden Bewohner eine starke Belastung. Feinstaub, Bergschäden, die Grundwasserabsenkung und die Landschaftszerstörung durch den Tagebau sind neben der Klimaschädlichkeit große Hypotheken für einen dichtbesiedelten Raum wie NRW. Dass dafür in Deutschland noch nicht einmal eine Förderabgabe, wie bei anderen Energieträgern üblich, gezahlt werden muss, ist dabei nur ein Teil des Problems. Es handelt sich dabei also um einen indirekt hochsubventionierten Gewinn von RWE, den die Gemeinschaft tragen muss.

Schaut man sich also die Argumente an, ist die Inbetriebnahme so gar kein Grund zum Feiern. Für mich aber die weitere Motivation, mich für echten Klimaschutz und nachhaltige Investitionen in NRW einzusetzen.

Eine Pressemitteilung von MdB Oliver Krischer und der Landesvorsitzende der Grünen Monika Düker ist hier zu finden.

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