Die historische Chance von Paris erfordert von uns verstärkte Bemühungen für mehr Klimaschutz

Viele Beobachter bewerten die Ergebnisse der „21. Konferenz der Vertragsparteien der Klimarahmenkonvention“ in Paris vom 12. Dezember 2015 als historisch. In der Tat hat eine Klimakonferenz nie zuvor derart weitreichende Ziele formuliert.

195 Teilnehmerstaaten haben sich erstmals verpflichtet, in einer gemeinsamen Anstrengung den Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur auf deutlich unter 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriele Niveau zu halten. Ziel ist es dabei, im Jahr 2050 die Treibhausgasemissionen auf null zu reduzieren. Auch sollen finanzschwache Staaten in den Jahren von 2020 bis zunächst 2025 mit jährlich 100 Mrd. Dollar bei der Reduzierung ihres Treibhausgasausstoßes und der Anpassung an die Folgen des Klimawandels unterstützt werden. Gleichzeitig ist es das erklärte Ziel der Unterzeichnerstaaten, die Finanzströme so umzuleiten, dass zukünftige Investitionen gezielt in Erneuerbare Energien fließen.

Ein starkes Signal also und ein Aufbruch, doch mitnichten ist damit bereits alles geregelt und der Klimawandel gestoppt. Bis zuletzt wurde debattiert, ob es nicht das Ziel sein muss, den Anstieg der Temperatur auf 1,5 °C zu begrenzen. Denn dies ist nach den aktuellsten Berechnungen von Klimaforschern der „point of no return“, nachdem der Temperaturanstieg kaum oder nur ungleich mühsamer zu stoppen sein wird. Doch zunächst ist das Ziel für die Treibhausgasreduktionsziele nur auf die 2°C-Marke beschränkt, wobei 1,5°C als Wunschwert immer noch enthalten ist.

Umgesetzt werden soll dieses Ziel durch individuelle Reduktionsziele, die sich jeder Staat selber gibt und offiziell bei der UN einreicht. Alle fünf Jahre sollen diese überprüft werden. Aber bereits jetzt zeichnet sich deutlich ab, dass die bislang gesetzten Reduktionsziele nicht ausreichen werden, um den Temperaturanstieg auf unter 2 °C zu begrenzen. Die Staatengemeinschaft muss ambitionierter werden, wenn sie ihr selbstgesetztes Ziel erreichen möchte.

Hinzu kommt, dass die Reduzierung der Treibhausgasemissionen auf null bis zum Jahr 2050 keineswegs eine umfassende Dekarbonisierung bedeutet, sondern die Option offen lässt, Emissionen wie etwa aus Kohleraftwerken durch verschiedene Maßnahmen, beispielsweise Aufforstung, zu kompensieren.

Was bedeutet das für NRW?

Die Klimavereinbarung von Paris ist ein Aufbruch und ein starkes Signal, doch die Anstrengungen müssen nun erhöht werden. Wie NRW es bereits getan hat, hat sich nun die Welt ein Ziel gesetzt und im Konsens festgeschrieben. Und so wie NRW sich einen Klimaschutzplan gibt und darin die Roadmap für die Erreichung der Klimaschutzziele aufzeigt, so sind nun die einzelnen Staaten aufgefordert, sich verbindliche Klimaschutzziele zu setzen und diese mit Maßnahmen zu hinterlegen. Klar ist: Die Anstrengungen beim Klimaschutz müssen sehr viel größer werden. So ist in Deutschland der Ausstieg aus der Kohle unbedingt notwendig. Wenn wir in NRW diesen Prozess aktiv steuern und Strukturbrüche vermeiden wollen, dann ist es genau jetzt an der Zeit, hierfür die Vorbereitungen zu treffen und Gespräche mit allen Beteiligten für ein definitives Ausstiegsdatum zu führen.

John Kerry, der US-Außenminister, sieht im Pariser Abkommen nichts weniger als die Chance auf das größte Investitionsprogramm der Menschheitsgeschichte, auf einen gewaltigen Finanzstrom fort von den Fossilen und hin zu den Erneuerbaren. Eine Chance also für das Weltklima und ein Paradigmenwechsel für die Wirtschaft weltweit. Auch wir in NRW sollten dies als Chance für unsere starke Wirtschaft sehen und mit unseren Anstrengungen für Klimaschutz im Allgemeinen und den Ausbau der Erneuerbaren im Konkreten weiter vorangehen. Um es mit der Bundesumweltministerin Barbara Hendricks zu sagen: Paris sei "nicht das Ende, sondern der Anfang eines langen Weges“.

Der Vertragstext im Wortlaut (in englischer Sprache):

http://unfccc.int/resource/docs/2015/cop21/eng/l09r01.pdf

Lesenswerte Bewertungen des Konferenzergebnisses:

Annalena Baerbock MdB: Klimagipfel-Bilanz: Kohleausstieg einleiten

Agora Energiewende: Pariser Abkommen verlangt von Deutschland einen Dekarbonisierungsfahrplan 2030

Germanwatch Paris: Startpunkt einer neuen Ära in der Klima- und Energiepolitik

 

 

 

 

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