Netzbetreiber können Blackout verhindern – wenn sie wollen!

Ob Spiegel, Rheinische Post oder Tagesschau.de – aktuell übertreffen sich viele Medien mit Überschriften wie „Werden die Lichter ausgehen?“ oder „In NRW sind am Freitag Blackouts möglich“. Mich haben zu diesem Thema viele Fragen erreicht, die ich hier gerne beantworte.

Was ist los am Freitag?
An diesem Freitag, 20. März 2015, wird von 9.30 bis 12 Uhr der Mond teilweise die Sonne verdecken und in Deutschland kann – bei wolkenfreiem Himmel – eine partielle Sonnenfinsternis beobachtet werden.

Aber warum sollte der Strom wegen einer Sonnenfinsternis ausfallen?
In Deutschland sind mittlerweile 1,4 Millionen Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von etwa 39 GigaWatt – das entspricht der Maximalleistung von etwa 39 Kraftwerken – installiert. Diese Anlagen reduzieren nun innerhalb von kurzer Zeit ab 9.30 Uhr ihre Leistung, da aufgrund der partiellen Sonnenfinsternis weniger Sonnenenergie auf der Erde ankommt. Gegen 12 Uhr steigt diese aber wieder stark an und die Photovoltaikanlagen speisen mehr Strom ins Netz ein. Damit unsere Stromversorgung funktioniert, müssen zu jedem Zeitpunkt Stromerzeugung und -verbrauch gleich groß sein. Ist dies nicht der Fall, bricht sie zusammen. Würden also die durch die Sonnenfinsternis verursachten möglichen Schwankungen nicht ausgeglichen werden, könnte es zu einem Stromausfall kommen.

Wie ernst ist die Lage denn nun wirklich am Freitag?
Mit dieser Frage haben sich bereits Wissenschaftler beschäftigt (s.u.). Sie kommen zu folgenden Ergebnissen:

  • Die Situation ist eine Herausforderung, aber sie ist beherrschbar!
  • Wie groß die Schwankungen sein werden, hängt vom Wetter ab: Die größten Schwankungen gibt es, wenn in ganz Deutschland die Sonne scheint, die geringsten bei kompletter Wolkendecke. Eine gute Wetterprognose ist daher sehr wichtig.
  • Die in Deutschland vorhandenen Pumpspeicherkraftwerke reichen auch bei wolkenlosem Himmel aus, um die Leistungsschwankungen auszugleichen.
  • Zur Sicherheit können und sollten die Netzbetreiber für die Bereitstellung von flexibel regelbaren Kraftwerken wie zum Beispiel Gaskraftwerken sorgen.

Also ist klar: Den Erneuerbaren Energien kann nicht die Schuld in die Schuhe geschoben werden, sollte es doch irgendwo in Deutschland zu Schwankungen im Netz kommen. Die Netzbetreiber müssen ihre Hausaufgaben machen und dürfen ihre Skepsis der Energiewende gegenüber nicht dafür nutzen, bei uns allen Panik zu schüren.

Die wichtigste Nachricht ist: Der Weltuntergang ist verschoben!

Ganz generell: Wie ernst ist die Bedrohung durch einen Blackout in Deutschland?
Klar, mit einem Blackout ist nicht zu spaßen. Das weiß man spätestens, wenn man den Bestseller "Blackout" von Marc Elsberg gelesen hat. Deshalb veranstaltet die GRÜNE Landtagsfraktion auch am Freitag, 24. April 2015, im Landtag einen Kongress zu dem Thema, bei dem alle Aspekte von Energiesicherheit über Digitalisierung bis zu Katastrophenschutz beleuchtet werden. Am Abend liest dann Marc Elsberg aus seinem Buch und diskutiert mit uns. Weitere Informationen zur Veranstaltung gibt es hier, anmelden kann man sich bis zum 19. April 2015 unter: http://gruene.fr/anmeldung

Wo bekomme ich mehr Informationen zu dem Thema?
Wissenschaftler der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW Berlin) haben sich ausführlich mit dem „Einfluss der Sonnenfinsternis im März 2015 auf die Solarstromerzeugung in Deutschland“ beschäftigt.  Die komplette Studie ist hier nachzulesen.

Im folgenden Video ist nachvollziehbar, wie an einem sonnigen Märztag die Sonnenfinsternis die Solareinspeisung in Deutschland beeinflusst: