Fachgespräch zum unkonventionellen Erdgas

Unkonventionelles Erdgas bald auch in NRW?

Ergebnisse eines Fachgesprächs im Landtag

Unter großem öffentlichen Interesse und starker Beteiligung der verschiedenen betroffenen Akteure ist im Landtag NRW über die Risiken und Chancen von Unkonventionellem Erdgas diskutiert worden.

Im Sinne einer Übergangstechnologie zu 100% Erneuerbare wäre die importunabhängige Förderung von Erdgas in Deutschland wünschenswert. Da die Vorkommen aber im Gestein gebunden sind und ihre Förderung daher nicht auf konventionelle Art möglich ist, müssen Umweltbedenken berücksichtigt werden. Die in den USA gemachten dramatischen Erfahrungen mit Trinkwasserverunreinigungen und anderen ökologischen Auswirkungen sind Besorgnis erregend.

Ca. 100 Teilnehmer aus den betroffenen Gebieten, aus Ministerien, Behörden und von Naturschutzverbänden kamen auf Einladung von Wibke Brems, um sich über eine mögliche Förderung in NRW auszutauschen.

Eingeleitet wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Klostermann, der als Direktor des Geologischen Dienstes für die wissenschaftliche Erforschung und Begleitung von geologischen Aktivitäten in NRW zuständig ist. In seiner Präsentation wurden die verschiedenen Arten des Unkonventionellen Erdgases und die spezifischen Fördermethoden insbesondere die Technik des Fracing anschaulich dargestellt.

Im Anschluss an die theoretischen Grundlagen wurde Bezug auf die Lage in NRW genommen und Herr Stahlhut von ExxonMobil erläuterte die Firmenstrategie und die aktuelle Sachlage zu durchgeführten und geplanten Probebohrungen im Kreis Steinfurt und Oppenwehe. Für ExxonMobile habe die Sicherheit von Mensch und Umwelt höchste Priorität, versicherte Norbert Stahlhut in seinen Ausführungen.

Dem gegenüber warnte Herr Dr. Zittel von der Ludwig-Bölkow Systemtechnik GmbH  in seinem Vortrag vor möglichen Konsequenzen auf die Umwelt durch die spezielle Fördermethode des Fracings und den verwendeten Chemikalien. Dabei sind besonders der hohe Flächenverbrauch, die Verunreinigung von Trinkwasser und die schwierige Entsorgung der eingesetzten Flüssigkeit kritisch zu bewerten. Auch wenn die Erfahrungen aus den USA nicht direkt auf NRW übertragbar seien, so forderte Herr Dr. Zittel doch eindringlich deren Berücksichtigung bei der Genehmigungsfähigkeit von möglichen Erdgasbohrungen in NRW. Dazu gehören für ihn auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), die Offenlegung der eingesetzten Chemikalien sowie ein Monitoring des gesamten Ablaufs.

Auch Herr Dr. Scholle vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft und Vorstandsvorsitzender der Gelsenwasser AG unterstrich die Gefährdung des Grundwassers durch eine mögliche Förderung von unkonventionellem Erdgas in NRW. Auch wenn er Gas grundsätzlich als Energieträger befürworte, könne es nicht sein, dass eine Gewinnung von Gas auf Kosten der Wasserqualität  stattfinden darf. Zudem bemängelte der Herr Dr. Scholle die fehlende Beteiligung der Wasserwirtschaft an den Genehmigungsverfahren der Bergbaubehörde.

Dagegen stellte der zuständige Referatsleiter aus dem Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr Herr Schumacher klar, dass durch die Beteiligung der Wasserbehörden die Berücksichtigung des Wasserschutzes gegeben wäre. Herr Schumacher betonte, dass das Ministerium auch über das gesetzliche Maß hinaus Informationen in enger Zusammenarbeit mit allen Beteiligten zur Verfügung stellen wird. Grundlage für das Vergeben der Lizenzen sowie der Genehmigungen für Probebohrungen sei das bundesdeutsche Bergrecht, das eine UVP für kleine Fördermengen nicht vorsieht.

In der anschließenden Diskussion wurden sowohl rechtliche Fragen wie die Einführung eines unterirdischen Planungsrechts, die Novellierung des Bergrechts und die Kompetenzen der Wasserbehörden, als auch konkrete Nachfragen zu den Plänen und Fördermethoden von ExxonMobil gestellt.

Viele Fragen konnte jedoch nicht abschließend geklärt werden, so dass Wibke Brems die Notwendigkeit von weiteren Gesprächen und den Informationsaustausch in enger Zusammenarbeit mit den Ministerien und den Gemeinden betonte.

Die auf der Veranstaltung gezeigten Präsentationen sind untenstehend abrufbar.

Prof. Klostermann, Geologischer Dienst

Norbert Stahlhut, ExxonMobil

Dr. Zittel, Ludwig-Bölkow Systemtechnik GmbH

Klaus-Willy Schumacher, Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen

Die Antwort des Ministers Voigtsberger auf meinen Brief ist hier zu finden:

Brief Voigtsberger

Die Karte mit den vergebenen Aufsuchungslizenzen in NRW ist hier zu finden:

Karte NRW

Eine Liste mit den vergebenen Ausuchungslizenzen und der dazugehörigen Flächen ist hier zu finden:

Liste Aufsuchungslizenzen

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