105 Milliarden: Für ein NRW, das in seiner Vielfalt zusammenhält.

Aus meiner Haushaltsrede vom 13. September 2024

Hier gehts zum Video.
105 Milliarden Euro – das ist das Haushaltsvolumen von Nordrhein-Westfalen im Jahr 2025.
Das ist eine unvorstellbar große, eine unfassbare Zahl. Unser menschliches
Vorstellungsvermögen endet irgendwo in den Tausendern. Brechen wir es mal herunter.
Schauen wir uns erstmal fassbare Zahlen an, die doch Großes für NRW bedeuten:

  • 3.000 neue Polizeianwärterinnen jedes Jahr und jetzt auch eine Unabhängiger Polizeibeauftragter
  • 7.000 zusätzliche Menschen arbeiten seit 2022 in unseren Schulen, darunter 1.500
    Alltagshelfer*innen
  • 400 Schulen, die seit dem Schuljahres-Start vom Startchancen-Programm von Bund
    und Land profitieren
  • 228 Genehmigungen für Windenergieanlagen im ersten Halbjahr 2024
  • 151 Großvorhaben im Straßenerhaltungsprogramm und die Sanierung von rund 30
    Brücken in Landesverantwortung allein in diesem Jahr
  • 534 Start-up-Neugründungen in NRW, weil NRW attraktive Bedingungen für
    Gründerinnen und Gründer schafft
  • 2 Gigawatt mehr Leistung durch neue Photovoltaik-Anlagen
  • Fast 150 Bürgerbusvereine, die für Mobilität im ländlichen Raum sorgen und jetzt
    besser gefördert werden
  • 17 Kommunen, die in einem Pilotprojekt das ehrenamtliche Engagement stärken.2
    Diese Zahlen machen es konkreter, beschreiben den Landeshaushalt aber immer noch nicht
    annähernd. Für NRW stecken noch viele große Zahlen für das kommende Jahr im Haushalt
    2025:
  • 270 Millionen Euro Mehrausgaben für die Angleichung der Lehrergehälter
  • 885 Millionen Euro Ausgaben für 480.000 OGS-Plätze, das bedeutet ein Plus von
    50.000 Plätzen und 490 Stellen
  • Mit 1,34 Milliarden Euro erhöhen wir den Ansatz für das Wohngeld um 7,5 Prozent
  • Zudem werden 1,9 Milliarden Euro für die Förderung von Wohnraum bereitgestellt.
    Damit wollen wir unser Ziel von 45.000 neuen Wohnungen auch im nächsten Jahr
    erreichen
  • 250 Millionen Euro für einen Altschuldenfonds jedes Jahr, damit verschaffen wir hoch
    verschuldeten Kommunen wieder mehr Luft für Gestaltung
  • 220 Millionen Euro für die Sanierung von Straßen und Brücken, damit der
    Sanierungsstau weiter aufgelöst werden kann
  • 150 Millionen Euro investieren wir allein im kommenden Jahr im Rahmen des
    Krankenhausplans in die Zukunft der Krankenhäuser in NRW
  • 21,5 Millionen Euro für die Kommunale Wärmeplanung, damit die Wärmewende in
    den Kommunen endlich angegangen wird
  • 70,5 Millionen Euro mehr Unterstützung für die Kommunen für die Unterbringung
    von Geflüchteten
  • Mit insgesamt 84 Millionen Euro investieren wir weiterhin in den Hochwasserschutz
    als wichtigen Baustein der Klimafolgenanpassung
  • Mit insgesamt 21 Millionen Euro unterstützen wir weiterhin die Meister- und
    Meistergründungsprämie
  • 4 Millionen Euro Förderung für Elektrolyseure in Windparks. Erhöhung der
    Kofinanzierung von Wasserstoff als Energieträger der Zukunft um 51,5 Millionen Euro
    auf jetzt 182,7 Millionen Euro
  • 432,5 Millionen Euro zusätzliches Geld für Kitas in 2025, damit geben wir als Land
    so viel Geld für Kitas aus, wie niemals zuvor, nämlich 5,55 Milliarden.


    Das waren jetzt viele unfassbar große Zahlen. Das sind aber nur einige der Prioritäten dieser
    schwarz-grünen Landesregierung. All diese und viele weitere Maßnahmen und
    Entscheidungen helfen, den Zusammenhalt in NRW zu stärken und NRW für die Zukunft
    aufzustellen. Sie machen konkret, dass diese Koalition handelt und wir Verantwortung
    übernehmen. Für NRW, für die Menschen und für zukünftige Generationen.
    Jetzt kann man natürlich sagen, dass das alles zu wenig ist, dass das nicht reicht. Das stimmt
    ja irgendwie auch, es ist natürlich nicht perfekt. Dieser Haushalt kann nicht alles leisten,
    NRW kann sich nicht alles leisten, was notwendig wäre. Wir haben mit 105 Milliarden Euro
    den größten Landeshaushalt aller Zeiten und wir setzen viele Akzente für eine positive
    Zukunft. Und trotzdem reicht es an vielen Stellen vorne und hinten nicht. Klar, man kann
    immer noch mehr fordern. Wir sollten immer danach streben, alles immer noch besser zu
    machen. Aber dann muss man auch sagen, woher das Geld kommen soll.3
    Es ist kein Geheimnis, dass wir Grüne für eine Reform der Schuldenbremse sind. Denn die
    anstehenden Aufgaben sind ebenfalls unfassbar groß. Weil es nach jahrzehntelang
    versäumten Investitionen bitter nötig ist, dass für Straßen, Schienen, für die Transformation
    und für die Bildung Möglichkeiten geschaffen werden, um unser Land, unsere Wirtschaft und
    unsere Kinder fit für die Zukunft zu machen. Aber es gibt für eine solche Änderung aktuell
    nun mal keine politische Mehrheit. Dieser Realität müssen wir uns stellen. Wir müssen unter
    den gegebenen Umständen das Beste draus machen.
    Die gegebenen Umstände sind: Wir haben geringere Steuereinnahmen und gleichzeitig
    höhere Kosten, der Gestaltungsspielraum ist eng, denn über 90 Prozent der Ausgaben des
    Landes sind fix, und wir sind in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Zwar sind objektiv
    Corona, Energiekrise und Inflation überwunden. Aber sie haben eine tiefe Verunsicherung
    hinterlassen, die bis heute anhält und für Zurückhaltung bei Investitionen und Konsum sorgt.
    Und es herrscht immer noch Krieg in Europa. Hinzu kommt wie bereits erwähnt:
    Jahrzehntelang wurden essenzielle Investitionen in unsere Infrastruktur versäumt.
    Diese Rahmenbedingungen haben Folgen. Sie machen außergewöhnliche Maßnahmen
    nötig: In diesem Jahr zieht NRW das erste Mal die Konjunkturkomponente und nimmt damit
    im Rahmen der Schuldenbremse Kredite auf. Damit sorgen wir für Verlässlichkeit für
    zugesagte Förderung und Projekte. Die Aufnahme von Krediten über die
    Konjunkturkomponente gibt uns auch für das kommende Jahr ein wenig Luft, aber das reicht
    leider noch nicht. Wir müssen für das Jahr 2025 Einsparungen vornehmen.
    Die fallen uns nicht leicht, weil sie Konsequenzen haben werden. Projekte werden nicht
    fortgeführt werden können, Verträge nicht verlängert. Das ist richtig bitter. Jedes
    wegfallende Projekt ist schmerzvoll. Ich kann den Frust von Betroffenen verstehen, denn für
    sie haben auch kleine Einsparungen unmittelbare Folgen. Das sind schwierige
    Entscheidungen und Priorisierungen, die wir vornehmen müssen. Aber wir ducken uns nicht
    weg. Wir alle führen Gespräche. Dabei ist es wichtig, dass wir gegenseitiges Verständnis für
    die jeweilige Situation finden, die Haushaltslage des Landes einerseits und die Situation der
    betroffenen Träger, Vereine, Verbände andererseits. Dabei entstehen auch konstruktive
    Ideen, jenseits von Finanzen, wie wir gemeinsam durch diese schwierige Zeit kommen. Das
    macht Mut.
    Wir können zwar aktuell an der finanziellen Situation nichts grundlegend ändern, aber wir
    können dafür sorgen, dass die negativen Folgen so gering wie möglich bleiben und wir in
    die Zukunft unseres Landes investieren, um damit langfristig vorzubauen für künftige Krisen.
    Das Ziel dabei ist, dass wir alle wieder mit Zuversicht in die Zukunft blicken können. Und wir
    wollen doch alle, dass der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft wieder wächst.
    Viele Menschen haben aktuell das Gefühl: Die Politik verändert eh nichts. Das hängt zum
    einen mit überzogenen und unrealistischen Versprechungen zusammen. Zum anderen
    brauchen Prozesse auch Zeit, bis sie Verbesserungen bringen. Geduld ist gefragt, nicht
    gerade eine weit verbreitete Tugend, gerade unter uns Politiker*innen. Bis politische
    Entscheidungen spürbare Veränderungen bringen, dauert es oft Jahre. Und manchmal
    bringen wir die spürbaren Veränderungen gar nicht mehr mit den ursprünglichen politischen
    Entscheidungen zusammen.
    Nehmen wir das Inflationsausgleichsgesetz. Das wurde im Herbst 2022 beschlossen. Einige
    Steuerentlastungen sind erst im Jahr 2024 in Kraft getreten. Spürbar werden diese erst mit
    dem Steuerbescheid für 2024, der dann irgendwann in 2025 kommt. Wer denkt denn dann:4
    „Danke, liebe Ampel, liebe Bundesländer, dass Ihr das beschlossen habt“? Und auch bei
    diesem Haushalt, über den wir hier gerade reden, ist es ähnlich. Die Betroffenen und wir
    sehen die schmerzhaften Einsparungen, die aufgrund der Rahmenbedingungen nötig sind.
    Was sich erst auf den zweiten Blick erschließt: Wo wir nicht sparen. Wo wir gestalten und
    erhalten – trotz der schwierigen Lage.
    Dieser Haushalt ist nicht perfekt. Den Umständen entsprechend und trotz aller
    schmerzhafter Einsparungen haben wir es geschafft, den Haushalt so aufzustellen, dass wir
    auch in den nächsten Jahren handlungsfähig bleiben. Und vor allem, dass Kinder und
    Jugendliche im Mittelpunkt unserer Politik stehen und wir den Staat weiter stärken.
    Ich habe am Anfang darüber geredet, dass große Zahlen für uns Menschen nicht vorstellbar
    sind. Deswegen machen wir als schwarz-grüne Koalition das Unvorstellbare konkret: Wir
    machen NRW nicht perfekt. Aber auch in Zeiten, die uns allen einiges abverlangen, haben
    wir eines fest im Blick: ein nachhaltigeres, ein gerechteres NRW. Ein NRW für 18.152.449
    verschiedene Menschen. Wir gestalten gemeinsam ein Land, das in seiner Vielfalt
    zusammenhält.

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