Unabhängigkeitserklärung für NRW

Trumps Politik bedroht den Fortschritt und die Wirtschaft auch an Rhein und Ruhr

Donald Trump verändert die USA rasant. Das wird auch für uns Folgen haben, die bis in unseren Arbeitsalltag reichen.  Denn ein großer Teil der Unternehmen in NRW nutzt digitale Infrastrukturen, die von US-Konzernen bereitgestellt werden, vom Industriekonzern über den Handwerksbetrieb bis zur Privatperson.  

Donald Trump stellt in den vergangenen Wochen alle Grundlagen dieser freiheitlichen Weltwirtschaft, wie wir sie kennen, in Frage. Seine Zölle erschweren den internationalen Handel, er schränkt wissenschaftliche Kooperationen ein und große US-Technologiekonzerne gewinnen weiter an Einfluss. Es droht eine Ära von Unsicherheit und Misstrauen. 

Die Frage ist längst nicht mehr, ob uns diese Veränderungen betreffen, sondern wie wir darauf reagieren. Es gilt jetzt, bestehende Werte zu bewahren – und Risiken aktiv anzugehen. 

1. Digitale Souveränität schützen 

Ob Cloud-Services, Künstliche Intelligenz oder kritische Infrastrukturen – viele Unternehmen in NRW hängen an der digitalen Nabelschnur US-amerikanischer Anbieter. Das ist riskant. Beispiel Microsoft: Outlook, Word, Excel und andere Microsoft-Produkte sind nur noch im Abo zu haben, die Daten werden auf Servern des Unternehmens gespeichert. Falls Donald Trump beschließt, den Zugang zu bestimmten Technologien einzuschränken, falls Daten auf US-Servern nicht mehr sicher sind oder Zölle für digitale Dienstleistungen erhoben werden, wird das für massive Probleme sorgen.  Höhere Kosten für Software-Abos, kostspielige IT-Umstellungen oder für andere zugängliche Unternehmensdaten können gerade kleinere Unternehmen an den Rand des Ruins treiben.  

Deshalb brauchen wir eine europäische Antwort. Es braucht Alternativen zu Microsoft, Google & Co. und rechtliche Rahmenbedingungen, die uns die Kontrolle über unsere digitale Infrastruktur garantieren. Das Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDis) in Bochum und die Office-Alternative OpenDesk sind Beispiele, wie daran gearbeitet wird. Wir brauchen mehr deutsche und europäische Lösungen, die unseren Werten entsprechen und uns unabhängig machen. Die neue Bundesregierung bleibt in ihren Plänen dazu leider vage.  

2. Investitionen strategisch nutzen 

Wir können uns weiterhin freuen, dass Tech-Giganten aktuell NRW als Standort für Zukunftstechnologien wählen – sei es Microsoft im Rheinischen Revier oder die kürzlich verkündete europäische KI-Fabrik in Jülich. Wichtig ist aber, dass wir die Regeln der Zusammenarbeit definieren. Und wir müssen die Tech-Riesen noch stärker als Teil eines digitalen Ökosystems begreifen, in dem sich auch heimische Firmen entwickeln können – auch über Grenzen hinweg und im Zusammenspiel mit unseren europäischen Nachbarn. Die in NRW ansässigen Start-ups, Mittelständler und Forschungseinrichtungen müssen aktiv in Planungen bedacht werden. Wenn das gelingt, stoßen große Player Innovationen an, von denen alle Menschen in NRW profitieren.  

3. Forschung und Wirtschaft besser vernetzen 

Ein echter Standortvorteil von NRW ist die exzellente Grundlagenforschung – von der Quantenphysik bis zur Biotechnologie. Das bietet große Chancen, bei der Entwicklung neuer Branchen vorne dabei zu sein. Doch zu oft dauert der Weg von Wissenschaft zur Praxis Jahrzehnte, während Unternehmen eigentlich händeringend neue Technologien suchen. Diesen Weg müssen wir beschleunigen. 

Großunternehmen sollten genau wie kleine Mittelständler leichter Zugang zu neuen Entwicklungen haben. Ausgründungen aus Hochschulen müssen einfach sein. Und Weltoffenheit und Freiheit werden zum Standortfaktor, weil Forschende sie leider an vielen anderen Orten vermissen. So bleiben wir international wettbewerbsfähig und verringern unsere Abhängigkeit von anderen Wirtschaftsmächten.  

Die gute Nachricht ist, dass in NRW an vielen Stellen bereits an Lösungen gearbeitet wird. Nun kommt es darauf an, das Tempo zu erhöhen und mutig neue Wege zu beschreiten. Das alles war auch schon vor Donald Trump wichtig – spätestens jetzt ist es Zeit zu handeln. 

Der Text ist am 15.04.2025 als Gastbeitrag beim Kölner Stadt-Anzeiger erschienen.

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