Seit über 10 Jahren plant der Energiekonzern RWE ein weiteres Braunkohlenkraftwerk am Standort Niederaußem. Mit einer Leistung von 1.100 MW soll es für die nächsten Jahrzehnte Braunkohle verstromen. Obwohl die Strompreise an der Börse durch die Erneuerbaren Energien massiv gefallen sind und sich neue fossile Kraftwerke voraussichtlich nicht mehr über den aktuellen Strommarkt refinanzieren lassen, plant RWE das Kraftwerk unbeirrt weiter.
Ob das Kraftwerk BoAplus jemals an den Start gehen wird, ist mehr als fraglich. Das weiß auch RWE. Wirtschaftlich ist es unrentabel, energiepolitisch ist es aus der Zeit gefallen – der Ausstieg aus der Braunkohle ist längst eingeleitet.
Doch RWE hält mit diesen Planungen die Genehmigungsbehörde auf Trab, beanspruchen Personalkapazitäten und Geldmittel. Daher wollte ich von der Landesregierung wissen: Verschwendet RWE das Geld der Steuerzahler?
Das Wirtschaftsministerium antwortet - wenig überraschend - mehr als zurückhaltend. Die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit des Projekts wollen sie nicht beurteilen, hinsichtlich der begleitenden Behördenkosten ist die Antwort ausweichend, verweist für die Bauleitplanung auf die zuständige Stadt Bergheim. Immerhin teilt die Landesregierung mit: „Für den Fall der Erteilung einer immissionsschutzrechtlichen Genehmigung wäre nach derzeitiger Rechtslage eine Gebühr in Höhe von 2,64 Mio. Euro festzusetzen.“ Wie hoch jedoch der tatsächliche Aufwand ist und was im Falle eines zurückgezogenen Antrags in Rechnung gestellt wird, diese Antworten bleibt die Landesregierung schuldig.
Sinnvoll wäre es, sich an der aktiven Gestaltung des Strukturwandels im Rheinischen Revier zu beteiligen. RWE sollte in die Zukunft des Rheinischen Reviers investieren, nicht in eine unsinnige Planung aus der Vergangenheit. Die Kosten für das Genehmigungsverfahren sollte aber auch bei einem überfälligen Aus für BoAplus RWE tragen müssen und nicht die Steuerzahler.


Neuste Artikel
Kleiner Halbjahresrückblick
Politik bedeutet für mich, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen und konkrete Verbesserungen für die Menschen in Nordrhein-Westfalen zu erreichen. Gerade in Zeiten großer Veränderungen kommt es darauf an, Fortschritt mit Zusammenhalt zu verbinden und unser Land zugleich gerechter, nachhaltiger und zukunftsfester zu machen. Auf vieles, was die Grüne Landtagsfraktion in den vergangenen Monaten auf...
Gemeinsam die Zukunft gestalten
Ich freue mich sehr darüber, dass mir die Grünen Mitglieder meines Kreisverbands am vergangenen Wochenende erneut ihr Vertrauen ausgesprochen haben. Die Wahl zur Direktkandidatin für den Landtagswahlkreis Gütersloh, Harsewinkel und Herzebrock-Clarholz und die Unterstützung für meine Kandidatur auf der Landesliste bedeuten mir viel. Sie sind für mich Ehre, Ansporn und Verpflichtung zugleich. Seit 2010 darf ich den Kreis Gütersloh im Landtag von Nordrhein-Westfalen vertreten,...
Wenn es darum geht, wie wir heute und in Zukunft leben wollen, dann ist eine klare Antwort: europäisch
Ein Jahr ist Trump im Amt und die Welt steht unter Druck. Strafzölle und Handelskriege belasten die Wirtschaft. Der Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen treibt den Klimarückschritt voran. Der offen zur Schau gestellte Machtanspruch der USA, etwa mit Blick auf strategische Regionen wie Grönland, zeigt: Geopolitische Interessen sollen rücksichtslos durchgesetzt werden. Nicht zuletzt der völkerrechtswidrige Angriff...
Ähnliche Artikel
Kleine Anfrage
Nachgehakt mit Kleinen Anfragen: Betriebs- und Emissionsdaten für die rheinischen Braunkohlekraftwerk offenlegen
Gemeinsam mit den Fraktionskollegen Johannes Remmel und Horst Becker hatte ich die Landesregierung gefragt, welchen Restkohlenbedarf die Landesregierung für die Kraftwerke im Rheinischen Revier ansetzt. Doch wieder einmal verweigert sich die Landesregierung einer Antwort: Statt sich inhaltlich mit unseren Berechnungen zum Restkohlebedarf der einzelnen Braunkohlekraftwerksblöcke auseinanderzusetzen, stellt die Landesregierung unsere durchaus konservativen Annahmen in Frage,...
Baumhäuser
Die Räumung der Baumhäuser im Hambacher Wald im Sommer 2018: Wie genau war die Rolle der Landesregierung?
Mit Datum vom 4. April 2019 beantwortete die Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung die Kleine Anfrage zu den Abläufen im Vorfeld der Räumung der Baumhäuser im Hambacher Wald ab dem 13. September 2018, die ich zusammen mit meinen Fraktionskolleg*innen Verena Schäffer, Mehrdad Mostofizadeh und Horst Becker eingereicht hatte. Diese Antwort lässt wesentliche Fragen...
Hambacher Wald
Sieht die Landesregierung tatenlos zu, wie RWE den Rodungsstopp im Hambacher Wald untergräbt?
Am 18. April 2019 zeigten die Aachener Nachrichten, wie ein Bagger in großer Nähe in Richtung des Waldes arbeitet und zitierten Umweltschützer mit der Befürchtung, dass RWE damit die Wasserversorgung des Hambacher Forstes gefährde. Das Schaufelrad des Baggers sei nur noch 150 Meter von den Bäumen entfernt. Laut Aachener Nachrichten bestätigte RWE, dass das im...