Donnerstag, der 4. April, 10Uhr morgens. Als wir auf Einladung der Bremer Grünen und meiner bremischen Kollegin Anne Schierenbeck bei strahlendem Sonnenschein und steifer Brise in Bremerhaven auf unsere Fährräder steigen, um die Tour de Wind zu beginnen, merken wir schnell – der Name ist Programm. Schon der Gegenwind beim Treten der Pedale ließ uns die Dimension des Windkraftpotenzials an der deutschen Nordseeküste erahnen. als wir die riesigen Fundamente der Windenergieanlagen bestaunen durften, war das Größenverhältnis zwischen Mensch und Maschine dann unmittelbar spürbar und auch Gondel und Rotorblätter wirkten aus der Nähe betrachtet riesig.
Eine Offshore-Windenergieanlage kann insgesamt über 1000 Tonnen wiegen und der Rotordurchmesser von 5-MW-Offshore-Windenergieanlagen beträgt bis zu 125 Metern bei einer Gesamthöhe von über 170 Metern über dem Meeresgrund.
Unter der fachkundigen Anleitung von Ronny Meier der Windenergie Agentur Bremerhaven (wab) besuchten wir die verschiedenen Stationen. Bei Areva Wind durften wir uns beispielsweise den Maschinenraum einer Offshore-Windenergieanlage ansehen.
Für den Technologiestandort Deutschland ist die Bedeutung Bremerhavens nicht zu unterschätzen. So bietet Bremerhaven einen Offshore Port, der von Forschungseinrichtungen über Zulieferer bis hin zu Komponenten-Herstellern alles bereitstellt, was die Windenergie-Industrie benötigt. Dieses Konzept ist sogar so überzeugend und international anerkannt, dass selbst die Norweger ihr „eigenes Bremerhaven“ errichten möchten. Diese von der Stadt unternommenen Anstrengungen, um eine zweite Chance zu bekommen und wieder als erfolgreicher Industriestandort wahrgenommen zu werden, hat mich sehr beeindruckt.
Darüber hinaus – für mich von besonderer Bedeutung - profitiert auch Nordrhein-Westfalen von der Offshore-Industrie in Bremerhaven. So sind 17,1% der Unternehmen aus den Bereichen Anlagenbau und in unserem Bundeland aber auch zahlreiche Energieversorger, Banken, Bauunternehmen und Dienstleister beheimatet.
Als ein konzentriert und weit von Lastzentren entfernt errichteter Energieträger mit hohen Anfangsinvestionen steht die Offshore-Windenergie häufig in der Kritik. Diese sind im Ansatz sicherlich richtig, jedoch werden für das Gelingen der Energiewende alle Erneuerbaren Energien benötigt. Zudem brauchen Hersteller wie Investitionen sichere Rahmenbedingungen, auf die sie sich einstellen können.
Gerade die zögernde Haltung von Bundesumweltminister Altmaier – etwa bei den Fragen zur Regelung des seeseitigen Netzanschlusses und seine Verunsicherungspolitik der letzten Monate in Hinblick auf das EEG könnten die Branche und damit 14.000 Vollzeitarbeitsplätze sowie bis zu 33.000 auf allen Stufen der Wertschöpfungskette, in eine tiefe Krise stürzen.


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