Das Grundwasser schert sich nicht um Landesgrenzen. Diese hydrologische Tatsache und die Tatsache, dass in unmittelbarer Nähe der Grenze NRWs zu Hessen und Niedersachsen nach Unkonventionellem Erdgas gesucht wird, waren meine Gründe für eine Kleine Anfrage, die ich am 30. August an die Landesregierung gerichtet habe.
Während in NRW bis zur abschließenden Bewertung der Risiken des Frackings keine Genehmigungen erteilt werden, ist der potenziell hochriskante Chemikalieneinsatz im Zuge des Fracking-Verfahrens wenige hundert Meter hinter der nordrhein-westfälischen Landesgrenze zu befürchten. Die Auswirkungen möglicher Kontaminierungen, ob ober- oder unterirdisch, könnten sich dann nicht nur auf kleine Bereiche beschränken. Damit könnten auch Gebiete über die jeweiligen Landesgrenzen hinaus betroffen sein. Was können wir tun, so fragte ich an, um die mögliche Grundwassergefährdung durch Fracking im landesgrenzennahen Bereich zu verhindern? Denn schließlich schert sich das Grudwasser nicht um die Grenzen von Bundesländern. Genehmigungen, die in Niedersachsen oder Hessen erteilt werden, können rasch auch Auswirkungen auf NRW haben.
Für die Landesregierung und in Abstimmung mit dem Wirtschaftsministerium hat jetzt Landesumweltminister Johannes Remmel die Kleine Anfrage beantwortet. Fracking, das wird aus der Antwort sehr deutlich, liegt im Fokus der kritischen Aufmerksamkeit der Landesregierung. Minister Remmel kündigt an, dass er gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium die Möglichkeiten für die Erarbeitung bundesweit gültiger Anforderungen für einen Umgang mit Fracking prüfen wird, die einen umfassenden Schutz von Mensch und Umwelt gewährleisten können. Das schließt auch die Abstimmung mit den Umweltministern der Bundesländer ein. Wissensdefizite um das Risikopotenzial des Frackings gilt es aufzuarbeiten, wobei eine erste Risikostudie im Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen vorliegt und auch eine solche Studie im Auftrag des Bundesumweltministeriums bereits veröffentlicht wurde.
Bezugnehmend auf meine Kleine Anfrage hat das Landesumweltministerium sich bei den Ländern Niedersachsen und Hessen nach Genehmigungsverfahren für die Suche nach Unkonventionellem Erdgas erkundigt, die möglicherweise Auswirkungen auf NRW haben könnten. Sowohl das niedersächsische Wirtschaftsministerium wie auch das hessische Umweltministerium schlossen eine mögliche Betroffenheit NRWs durch Aktivitäten in ihrem jeweiligen Bundesland aus, was mich in Anbetracht der bekannten grenzennahen Aktivitäten überrascht.
Ganz klar: Bei einer möglichen Beteiligung von NRW-Behörden rund um die Genehmigung von Fracking -Verfahren in grenznahen Bereichen bleibt es unsere Position, mit Hinweis auf die in ihrem Ausmaß ungeklärten Risiken des Verfahrens Genehmigungen zu verweigern. Auch außerhalb von NRW erwartet unsere Landesregierung von den Genehmigungsbehörden Transparenz im Verfahren und die unbedingte Einhaltung der Regelungen und Verfahrensvorschriften.
Darüber hinaus sieht die Wasserrahmenrichtlinie eine gemeinsame und grenzüberschreitende Verantwortung für die Bewirtschaftung von Flussgebietseinheiten vor, so dass an dieser Stelle der Alleingang eines Bundeslandes verhindert wird, sobald die Nutzung des ober- oder unterirdischen Wasserhaushalts Auswirkungen über Landesgrenzen hinweg haben kann. Und genau dieses Risiko ist es, was ich beim Fracking sehe.
Zum Nachlesen:
Die Antwort darauf aus dem Landesumweltministerium
Mehr zum Thema Unkonventionelles Erdgas und Fracking


Neuste Artikel
Wenn es darum geht, wie wir heute und in Zukunft leben wollen, dann ist eine klare Antwort: europäisch
Ein Jahr ist Trump im Amt und die Welt steht unter Druck. Strafzölle und Handelskriege belasten die Wirtschaft. Der Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen treibt den Klimarückschritt voran. Der offen zur Schau gestellte Machtanspruch der USA, etwa mit Blick auf strategische Regionen wie Grönland, zeigt: Geopolitische Interessen sollen rücksichtslos durchgesetzt werden. Nicht zuletzt der völkerrechtswidrige Angriff...
Pressemitteilung: Grüne Landtagsfraktion wählt neunen Fraktionsvorsitzenden und neue Parlamentarische Geschäftsführerin
Die Grüne Landtagsfraktion hat den freien Platz im Fraktionsvorsitz am heutigen Dienstag nachbesetzt. Die Abgeordneten wählten Mehrdad Mostofizadeh zum Fraktionsvorsitzenden. Gemeinsam mit Wibke Brems wird er die Fraktion in einer Doppelspitze führen. Mostofizadeh tritt die Nachfolge von Verena Schäffer an, die ihr Amt vor einer Woche aufgrund ihrer Ernennung zur Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und...
Wie wollen wir in Zukunft leben?
Die Auseinandersetzung mit Digitalisierung war für mich von Beginn an mehr als ein Blick auf einzelne Technologien. Auf vielen Stationen wurde sichtbar, wie digitale Lösungen Prozesse verändern, beschleunigen und neu vernetzen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass ihr eigentlicher Wert dort liegt, wo sie zur Grundlage für weitergehende gesellschaftliche Veränderungen wird. Aus diesem erweiterten Blick entwickelt sich...
Ähnliche Artikel
Kleine Anfrage
Nachgehakt mit Kleinen Anfragen: Betriebs- und Emissionsdaten für die rheinischen Braunkohlekraftwerk offenlegen
Gemeinsam mit den Fraktionskollegen Johannes Remmel und Horst Becker hatte ich die Landesregierung gefragt, welchen Restkohlenbedarf die Landesregierung für die Kraftwerke im Rheinischen Revier ansetzt. Doch wieder einmal verweigert sich die Landesregierung einer Antwort: Statt sich inhaltlich mit unseren Berechnungen zum Restkohlebedarf der einzelnen Braunkohlekraftwerksblöcke auseinanderzusetzen, stellt die Landesregierung unsere durchaus konservativen Annahmen in Frage,...
Baumhäuser
Die Räumung der Baumhäuser im Hambacher Wald im Sommer 2018: Wie genau war die Rolle der Landesregierung?
Mit Datum vom 4. April 2019 beantwortete die Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung die Kleine Anfrage zu den Abläufen im Vorfeld der Räumung der Baumhäuser im Hambacher Wald ab dem 13. September 2018, die ich zusammen mit meinen Fraktionskolleg*innen Verena Schäffer, Mehrdad Mostofizadeh und Horst Becker eingereicht hatte. Diese Antwort lässt wesentliche Fragen...
Hambacher Wald
Sieht die Landesregierung tatenlos zu, wie RWE den Rodungsstopp im Hambacher Wald untergräbt?
Am 18. April 2019 zeigten die Aachener Nachrichten, wie ein Bagger in großer Nähe in Richtung des Waldes arbeitet und zitierten Umweltschützer mit der Befürchtung, dass RWE damit die Wasserversorgung des Hambacher Forstes gefährde. Das Schaufelrad des Baggers sei nur noch 150 Meter von den Bäumen entfernt. Laut Aachener Nachrichten bestätigte RWE, dass das im...